24/03/2026 0 Kommentare
Tanz?Verbot? - Karfreitagsliturgie mit performativen Elementen
Tanz?Verbot? - Karfreitagsliturgie mit performativen Elementen
# Gottesdienst

Tanz?Verbot? - Karfreitagsliturgie mit performativen Elementen
3. April 11.00 Uhr Emmaus-Kirche
Karfreitag gilt als stillster Tag des Kirchenjahres. Christinnen und Christen erinnern sich an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz – ein Tag der Klage, der Trauer und des Innehaltens. Viele kennen die strengen Regeln dieses Tages: keine laute Feier, kein Tanz, kein ausgelassenes Fest. Doch gerade dieser scheinbare Gegensatz wirft eine Frage auf: Was bedeutet Trauer wirklich – und welche Formen darf sie annehmen?
Unser Karfreitagsgottesdienst „Klage. Tanz! Verbot?“ geht dieser Frage nach. Im Zentrum steht das eindrucksvolle Orgelwerk Deuils („Trauer“) von Jehan Alain. Die Musik entfaltet eine Klangwelt zwischen Schmerz, Erinnerung und Hoffnung. Während die Klänge der Orgel den Raum erfüllen, wird eine Live-Tanzperformance von Clara Maia Moreira die Emotionen der Musik aufnehmen und körperlich sichtbar machen.
Der Tanz tritt dabei nicht als fröhliche Unterhaltung auf, sondern als Ausdruck der Klage selbst. In der Bibel gehören Körper und Glaube untrennbar zusammen: Klage wird gesungen, gebetet – und manchmal auch getanzt. Schon in den Psalmen finden sich körperliche Ausdrucksformen der Trauer, und auch in vielen Kulturen ist Bewegung Teil des Trauerns. Der Tanz kann zum Gebet werden, wenn Worte fehlen.
Gerade deshalb stellt dieser Gottesdienst eine provokante, aber ernsthafte Frage: Ist Tanz am Karfreitag wirklich verboten – oder verbieten wir uns manchmal selbst, unsere Trauer ganz auszudrücken? In Deutschland schützen staatliche Feiertagsgesetze den „stillen Charakter“ dieses Tages, weshalb öffentliche Tanzveranstaltungen untersagt sind. Doch liturgische und künstlerische Ausdrucksformen innerhalb eines Gottesdienstes eröffnen andere Räume: Räume, in denen Klage nicht nur gesprochen, sondern auch verkörpert werden darf.
„Klage? Tanz! Verbot?“ lädt dazu ein, Karfreitag neu zu erleben: als Tag der ehrlichen Trauer, der Stille – und vielleicht auch der überraschenden Entdeckung, dass selbst in der Klage Bewegung steckt.
Herzlich willkommen zu einem Gottesdienst zwischen Musik, Körper und Theologie.
Pfarrerin Rebecca Marquardt-Groba und Kantor Johannes Weber
Kommentare