Berichte
Die aktuelle Andacht
Ich glaube, ich bin schlecht im Nichtstun. Ich tue immer irgendetwas. Das hat sich in den letzten Jahren noch einmal verstärkt. Seitdem ich Mutter bin, ist meine ganze Freizeit ausgefüllt von Dingen, die es zu tun gibt. Kinder großziehen mit allem Drum und Dran. Den Haushalt schmeißen, einkaufen gehen, Leben organisieren (und ja, natürlich übernehmen mein Mann und ich das alles ganz gleichberechtigt. Ist trotzdem noch viel). Der andere Teil meiner Zeit gehört der Arbeit. Und auch hier werden die Aufgaben mehr und die Ressourcen knapper – wie überall sonst auch – sodass man eigentlich nie Feierabend haben dürfte. Dazwischen gibt´s noch ein kleines bisschen Zeit für mich und ich gestehe: die fülle ich dann bis an die Oberkante aus. Ich lerne ein Instrument, lese drei Bücher parallel und versuche all die verpassten Artikel meiner Online-Zeitungs-Abos nachzuholen. Manchmal gehe ich aus mit meinen Freunden oder meinem Mann und hin und wieder verlieren wir uns auch in Serien oder Filmen. Und mittendrin setze ich mir ständig Notizen in meinen Google-Kalender: was ich morgen nicht vergessen darf, wen ich noch anrufen soll, welche Mail ich unbedingt noch schreiben muss, was die Kinder in die Kita mitnehmen sollen. Ich fühle mich damit organisiert und ein bisschen ruhiger, weil damit die Chancen geringer werden, dass ich am nächsten Tag irgendetwas vergesse (was natürlich trotzdem jedes Mal so ist). Und am Ende des Tages bleibt aber dennoch dieses Gefühl von Stress und Unruhe, weil es mal wieder gerade so gepasst hat – „auf Kante genäht“ – und wer weiß, was Morgen bringt.
Kinder brauchen Langeweile. Das zeigen verschiedene pädagogische Studien. Doch wir Eltern tendieren oft dazu, sie schon früh ständig beschäftigen zu wollen. Weil wir glauben, dass sie das brauchen. Kita, Schule und dann… Turnen, Tanzen, Musikalische Früherziehung…jeden Tag die Frage „Was machen wir heute?“. Wenn meine Kinder einen halben Tag zuhause sind, dann beschäftigen sie sich meist ganz mit sich selbst. Wenn ich ihnen keine Angebote mache, dann werden sie kreativ, stellen die Wohnung auf den Kopf und machen sie zu ihrer ganz eigenen Welt. Das können sie, weil sie Raum für sich bekommen haben.
Gott ruhte nach der Schöpfung am 7. Tag (1. Mose 2,2). Nicht weil er erschöpft war – er ist nicht einfach an seine Grenzen gekommen, Gott, der sowieso „nicht müde noch matt“ wird (Jes 40,28) – sondern weil Vollendung Raum braucht. Ruhe ist kein Betriebsunfall der Schöpfung, sondern Teil ihres göttlichen Rhythmus. Meine Supervisorin spricht von „Regredieren“, also davon, dass wir als Menschen im Alltag die Gelegenheit haben sollen, zurückzufallen auf das, was wir sind und brauchen als Mensch, ohne all unsere Verpflichtungen.
Ich regrediere jetzt. Ich habe schon viel zu viel geschrieben. Ich sagte ja: ich bin schlecht im Nichtstun. Ich klappe den Laptop zu uns starre den Rest meiner Bahnfahrt nur noch aus dem Fenster und gebe mir selbst ein bisschen Raum. Ich hoffe, ihr erlaubt euch das auch hin und wieder.
Schönen Sommer!
Eure/Ihre Pfarrerin Rebecca Marquardt-Groba
Botin
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