Gedanken zum Nichtstun

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Gedanken zum Nichtstun

LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER, 

wann habt ihr zum letzten Mal nichts getan? Also gar nichts? Nicht nebenher mit halbem Auge die Kinder beaufsichtigt, nicht im Kopf schon die Termine der nächsten Tage geplant, nicht aufs Handy geguckt? 

In dieser Botin geht es ums Nichtstun. Das passt natürlich zum bevorstehenden Sommer. Viele werden in den Urlaub fahren, vielleicht zuhause auf dem Balkon liegen, Ausflüge in die Natur machen, hoffentlich ein bisschen frei haben. 

Doch was ist das eigentlich, das Nichtstun? Können wir das überhaupt? Haben wir eigentlich gelernt, wie das geht? Meistens haben wir dafür keine Zeit. Und auch wenn wir mal Zeit haben, gestehen wir es uns oft nicht zu. Ich kann mich erinnern, wie ich mal nach einem Arbeitstag, nach- dem ich Abendessen für meine Familie gekocht, die Katzen versorgt und mit einer Freundin telefoniert habe, eine halbe Stunde einfach auf dem Sofa lag und mich dabei ertappt habe, wie ich dachte „bist du faul!“. 

Forscher*innen haben herausgefunden, dass wir ganz und gar nicht faul sind, wenn wir nichts tun, im Gegenteil, dass dieser Zustand für unser Gehirn sehr wichtig ist und dabei Regionen aktiviert werden, die sonst inaktiv sind und die wichtig für unsere Gesundheit sind. Nur dann ist es unserem Gehirn möglich, Prozesse in Gang zu setzen, in denen wir Erinnerungen reflektieren und einschätzen, uns in andere hineinversetzen, moralische Argumentationen entwickeln und über Vergangenheit und Zukunft nach- denken können. 

In Zeiten, in denen von der Politik längere Arbeitszeiten und mehr Produktivität gefordert werden, während viele Menschen sowieso schon nicht wissen, wie sie ihr Pensum an Lohnarbeit, Familienarbeit und vielleicht auch Ehrenamt unter einen Hut bringen sollen und dabei Zeit für Freund- schaften schon gar nicht mit einplanen, scheint es uns umso wichtiger, dass wir mal einen Schritt zurücktreten. Pause ma- chen. In den Himmel schauen. Oder auch an die Wand. Über das Nichtstun nachdenken und uns vielleicht ganz gezielt öfter dafür entscheiden. 

Wir wünschen euch und Ihnen einen schönen Sommer! 

Ihre Janna Düringer und Kris Huckauf

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