28/10/2026 0 Kommentare
Abschied: 10 Jahre Kreuzberg – und nun beginnt etwas Neues
Abschied: 10 Jahre Kreuzberg – und nun beginnt etwas Neues
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Abschied: 10 Jahre Kreuzberg – und nun beginnt etwas Neues
Von Pfarrer Christoph Heil
Liebe Gemeinde,
für Pfarrerinnen und Pfarrer gilt in unserer Landeskirche die Regel, dass sie nach zehn Jahren die Gemeinde wechseln. Nun gehen meine zehn Jahre in Kreuzberg zu Ende.
Ein Jahrzehnt ist eine lange Zeit. Wenn ich zurückblicke, staune ich, wie viel seit 2017 geschehen ist. Wie viele Menschen ich kennenlernen durfte, wie viele Begegnungen mich geprägt haben und wie viele gemeinsame Wege entstanden sind. Nun heißt es Abschied nehmen. Das fällt nicht leicht, denn eine Kirchengemeinde ist mehr als ein Arbeitsplatz. Sie ist ein Ort, an dem Menschen miteinander leben, glauben, zweifeln, trauern, streiten, lachen und feiern. Ein Ort, an dem Geschichten zusammenkommen und Beziehungen wachsen.
Große Veränderungen gab es in dieser Zeit: die Pandemie, Abschiede, Neues wurde erprobt und manche Herausforderungen, für die wir länger brauchten, als uns lieb war. Ein zentrales durchgehendes Thema ist unsere Zukunft. Wie können wir trotz sinkender Mitgliederzahlen und steigender Kosten die Kirchengemeinde so aufstellen, dass auch kommende Generationen in Kreuzberg noch Gottesdienste feiern können? Ein erster, für Viele schmerzhafter Schritt war es, als wir 2018 die St.-Simeon-Kirche aus der Verantwortung der Gemeinde an den Evangelischen Kirchenkreis übertragen mussten – ein Weg, den wir damals mit der 120-Jahr-Feier und einer Prozession zur St.-Jacobi-Kirche begangen haben. Im gleichen Jahr begann die Planung für die denkmalgerechte Sanierung von St. Jacobi: ein langer Prozess, der jetzt zum Abschluss kommt.
Später folgte der große Zusammenschluss zur neuen Gemeinde Kreuzberg mit St. Thomas und Emmaus-Ölberg. In St. Thomas feierten wir große Konfirmationen und im Mai 2022 einen feierlichen Festgottesdienst anlässlich der Fusion. Und in der Emmaus-Kirche ist es uns an Pfingsten 2025 gelungen, zu einer gemeinsamen Gottesdienstform am Sonntag zu finden, die Aspekte der verschiedenen Traditionen miteinander verbindet. Die einen setzten sich dem Psalmodieren auseinander, die anderen freundeten sich mit dem Kerzengebet an.
Gemeinde zu gestalten bedeutet, mit unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungen umzugehen und immer wieder neu herauszufinden, was uns eint und wo Verschiedenheit ausgehalten werden kann. Umso mehr schätze ich die Menschen, mit denen dieses Zusammenwachsen in vertrauensvoller Zusammenarbeit möglich war.
Aus dieser Gemeinschaft heraus ist in den vergangenen zehn Jahren unglaublich viel Lebendiges entstanden. Unvergessen bleibt mir der erste Adventsbasar nach einer langen Pause im Jahr 2018 in der Melanchthonkirche mit so vielen Familien und Kindern. Auch die erste Gemeindefreizeit in Hirschluch 2018 und die drei Familienfreizeiten 2024-26 haben Spuren hinterlassen – es waren intensive Tage voller guter Gespräche und die wunderbare Erfahrung, Gemeinde einmal außerhalb des gewohnten Rahmens zu erleben.
Genauso lebendig ging es bei unseren ökumenischen Gottesdiensten mit den orthodoxen, katholischen und methodistischen Nachbarn zu. Ein tiefer Ausdruck der Geschwisterlichkeit war auch die überwältigende Ukraine-Hilfe, die wir 2022 gemeinsam mit dem Kreuzbergprojekt und den Nachbarinnen und Nachbarn um St. Jacobi auf die Beine gestellt haben. Ob beim Adventskranzbinden, bei den Johannisfesten oder den Gottesdiensten mit den Pfadfinder:innen unter freiem Himmel: Es sind über die Jahre so viele unterschiedliche Menschen und verschiedene Orte - was sie alle eint, ist die Erfahrung, dass Kirche lebendig wird, wenn Menschen sich zusammentun und etwas wagen.
Für dieses Vertrauen, für offene Türen, berührende Gespräche, tolle Aktionen und für die Bereitschaft, auch schwierige Fragen miteinander auszuhalten, bin ich sehr dankbar. Mein Dank gilt allen, die sich mit ihren Ideen, ihrer Zeit und ihren Fähigkeiten eingebracht haben. Vieles entsteht im Verborgenen, im alltäglichen Engagement, in einem Anruf zur richtigen Zeit oder in einer helfenden Hand. Dazu gehört auch die Offenheit von einigen, selbst dann miteinander im Gespräch zu bleiben, wenn es mal kompliziert wird.
Gemeinde lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen. Zwei von ihnen möchte ich besonders nennen: Mariola Maxelon, langjährige Gemeindesekretärin und gute Seele, die für alle Probleme eine Lösung findet. Liebe geht bei ihr durch den Magen: Sie kocht, backt, bastelt und kann auch noch passende Paramente für den Altar nähen. Sie ist einfach da, wenn jemand eine Frage hat. Dass sie dabei nicht nur ihre Arbeit erledigt, sondern sich mit ganzem Herzen engagiert, habe ich sehr geschätzt. Martin Fiebig danke ich für die verlässliche Zusammenarbeit als Vorsitzender des Gemeindekirchenrats, für sein unermüdliches und fachkundiges Engagement im Hintergrund und für seine Treue im Gottesdienst. Alles gehört zusammen: Verantwortung für die Gemeinde zu übernehmen, sich selbst immer wieder unter Gottes Wort zu stellen – und dabei auch noch auf sich selbst zu achten und mal guten Gewissens Nein sagen zu können.
In besonderer Erinnerung bleibt mir das Geistliche, das wir miteinander geteilt haben. Es gab Gottesdienste mit hervorragender Kirchenmusik, in denen sich Himmel und Erde berührten. Momente des Nachdenkens über Gott und die Welt, Gebete, Segen und jene unscheinbaren Augenblicke, in denen plötzlich etwas aufleuchtete. Kirche lebt für mich genau dort, wo Menschen spüren: Mein Leben hat einen Grund, meine Fragen dürfen sein, und ich bin mit dem, was mich bewegt, nicht allein.
Nun beginnt für mich ein neuer Abschnitt, auf den ich mit Neugier und Freude blicke. Neue Menschen werden mir begegnen, neue Aufgaben warten, und ich werde an einem anderen Ort neu entdecken, was dort gebraucht wird und was wachsen darf. Auf diesen Aufbruch freue ich mich, und dazu gehört, das Zurückliegende nun loszulassen.
Euch und Ihnen in Kreuzberg wünsche ich von Herzen Gottes Segen bei allem, was kommt: Menschen, die sich begeistern lassen, Mut für neue Wege, Geduld in schwierigen Zeiten und immer wieder die Erfahrung, dass Gott mitgeht. Möge unsere Kirche ein Ort bleiben, an dem Menschen willkommen sind, die Schönheit des Glaubens entdecken, einander beistehen und Gemeinschaft finden.
Ich lade Sie und Euch herzlich ein zum Abschiedsgottesdienst am Sonntag, dem 8. November um 11 Uhr in der Emmauskirche. Ich freue mich, wenn wir uns dort sehen!
Abschiedsgrüße aus der Gemeinde
„Lieber Christoph, unsere ersten Gottesdienste als Familie haben wir bei dir erlebt und sind auch dank dir und Janka zu regelmäßigen Gottesdienstgängern geworden. Wir wissen die familiäre Atmosphäre besonders in Melanchthon zu schätzen und erinnern uns an viele tolle Predigten, in denen du oft die Rechte von Frauen betont hast. Wir haben von deiner Zusammenarbeit mit den Kitas, in unserem Fall mit der Kita Fontanepromenade, profitiert und hatten tolle Familienfreizeiten in Hirschluch. Du hast junge und innovative Formate wie die Ambient Mass oder die Christliche Meditation ins Leben gerufen. Wir werden diese Angebote und die Gottesdienste mit dir vermissen.“ — Jana, Lukas, Minna und Hanno
„Lieber Christoph, schade, dass du gehst, es ist gerade alles so gut im Entstehen, für mich könnte es einfach so weitergehen. Alles Gute!“ — Brigitte
Lieber Christoph, das ist natürlich einerseits schön für Dich, andererseits natürlich betrüblich für uns und Kreuzberg, mich ganz persönlich. Ich hoffe, es wird eine großartige Zeit für Dich. Danke für Dein tolles Engagement bei uns. Liebe Grüße!“ — Tillmann
„Ich habe dich als sehr offen, kommunikativ und dialogbereit erlebt. Neues konntest du erklären, die Fusion und die neue Gottesdienstform hast du transparent gemacht. Ich wünsche Dir alles Gute!“ — Susann
„Den ‚Bibliolog‘ als Predigt im Gottesdienst werde ich nie vergessen. Ich fand das so anschaulich und so berührend, wie viel wir da zusammen unter deiner Leitung mit dieser Offenheit in dem Raum herausgefunden haben und wie nah ich dadurch dem Bibeltext kommen konnte. Ich bin sehr dankbar, dass Du so lange unser Gemeindepfarrer warst und wünsche dir alles Gute!“ — Elina
„Danke für die Impulse, die ich aus deinen Predigten bekommen habe; danke für die vielen theologischen Gespräche; danke für die Stärkung im Glauben durch dich! Danke für dein Engagement für unsere ukrainische Partnergemeinde und für die Menschen in unserer Gemeinde! Du wirst hier und mir fehlen!“ — Kalle
„Ich blicke mit einem lachenden Auge auf deinen Neuanfang und mit einem weinenden, weil du jemand bist, der den Gemeindemitgliedern sehr nah ist. Noch haben wir ein wenig Zeit mit dir, und die möchte ich nicht ungenutzt lassen!“ — Josie
„Lieber Christoph, ich danke dir für dein großartiges Engagement, das uns gerade auch in der jetzigen Zeit fehlen wird. Mir hat deine Art, zuzuhören, nachzufragen und wirklich verstehen zu wollen, viel bedeutet.“ — Martina
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