28/08/2026 0 Kommentare
Abi fertig - und jetzt?
Abi fertig - und jetzt?
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Abi fertig - und jetzt?
Von Martha
Manchmal realisiere ich es: Ich werde groß. Nicht nur ich, sondern auch all meine Freunde. Mit Abi in der Hand haben wir die Abireise gemacht und den Abiball gefeiert. Und jetzt?
Für mich geht es jetzt nach Frankreich zum Studieren. Selbst wenn mir weder das Land noch die Sprache fremd sind, ist das eine sehr aufregende Zeit. Ich ziehe nicht nur das erste Mal um, wohne das erste Mal alleine oder studiere zum ersten Mal, sondern ich verlasse auch meine Familie und meine Freunde in Berlin. Die einen gehen in verschiedensten Ländern studieren, andere bleiben in Berlin, machen eine Ausbildung oder setzen ein Jahr aus, und wieder andere verreisen erst einmal ein paar Monate. Jeder geht jetzt seinen eigenen Weg.
Diese Freunde in gewisser Weise zurückzulassen, ist nicht einfach. Die meisten kenne ich schon über drei Jahre. Irgendwo zwischen Hausaufgaben, Stress und Feiern sind wir gewachsen. Wir sind zusammen großgeworden, ohne es zu merken. Eigentlich haben wir so ziemlich alles geteilt, vom Schulstress bis zu den enttäuschenden WM-Ergebnissen.
Um Freunde zu finden, bei denen ich mich wirklich angekommen und zu Hause fühle, hat es gedauert. Für diese Freundschaften mussten vorherige Freundschaften kaputtgehen. Man verletzt und/oder wird verletzt, ob mit Absicht oder einfach nur durch das Großwerden. Und ja, das tut weh. Ich war wütend, traurig, verletzt und manchmal einfach sprachlos. Doch genau diese Erfahrungen haben mich zu der Person gemacht, die ich bin, und mich zu den Freunden gebracht, die ich heute habe. Und ich würde nicht tauschen wollen.
Aber wer weiß schon, wer er ist? Sich selbst mit all seinen Gefühlen, Erfahrungen, Ängsten und Gedanken wahrzunehmen, ist schon schwierig. Diese Gefühle dann auch noch anderen zu zeigen und offen darüber zu reden, ist gruselig. Man muss sich zeigen und verletzlich machen.
Bei meinen Freunden kann ich das. Egal wann und wo: Eine Nachricht, ein trauriges Emoji, ein verzweifelter Anruf und sie sind da, hören zu, lenken mich ab oder suchen mit mir nach Lösungen. Das sind Freundschaften, denen man zehn Minuten Sprachnachrichten schicken kann, ohne wirklich Inhalt zu haben, und sie hören es sich trotzdem an und antworten mit Nachrichten, die ungefähr genauso wenig Inhalt haben. Doch so verständigen wir uns. Und ich lieb’s.
Vor allem in so turbulenten Zeiten sind solche Freunde ein Anker, ein Ort, an dem man sorgenfrei lachen oder sich ausheulen kann, so wie man es gerade braucht. Diese Freundesgruppe ist mein Wohlfühlort, an dem ich ganz ich selbst sein kann, laut, leise und ja, auch ein bisschen verrückt. Na ja, ich halt.
Und jetzt gehen wir alle weg.
So sehr ich mich auch für alle freue, so sehr habe ich auch Angst. Diese Gruppe, die mich gehalten hat und dank der ich herausfordernde Zeiten überstanden habe, wird nicht mehr jeden Tag da sein. Wir sind noch eine Freundesgruppe und bleiben das hoffentlich auch noch eine Weile, doch es wird sich etwas verändern.
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