27. Lange Buchnacht in der St.-Thomas-Kirche

27. Lange Buchnacht in der St.-Thomas-Kirche

27. Lange Buchnacht in der St.-Thomas-Kirche

# Veranstaltungen

27. Lange Buchnacht in der St.-Thomas-Kirche

Familie. Oder: Was für Verwicklungen!

Zur 27. Langen Buchnacht in der St.-Thomas-Kirche

10 Jahre Fest der Worte. Ein Jubiläum!

Wer Familie sagt, sagt zugleich: Unheil. Das weiß die Literatur schon lange, und die Kirche auch. Deshalb ist es eine glänzende Idee des Freundesvereins St.-Thomas-Kirche gewesen – jenes zähe, literaturvernarrte Kollektiv von Kulturliebhabern – ausgerechnet zum Thema Familie eine Buchnacht zu inszenieren. Jenes wunderbare Fest der Geselligkeit, das aus Kirchen für wenige Stunden Lesehallen macht und aus ehrwürdigen Steinen das Flüstern von Geschichten entlockt. Zehn Jahre schon! Zehn Jahre Hartnäckigkeit gegen die Trostlosigkeit.

Die Architektur wird zum Erzähler. Dr. Peter Lemburg, dieser Magier unter den Bauhistorikern, führt zunächst durch jene 150 Jahre, in denen die St.-Thomas-Kirche Berlins Hoffnungen, Verzweiflungen, Bestrebungen aufgesogen hat. Stein wird zur Chronik. 56 Meter hoch, Kuppel wie ein Traum aus Klassizismus. Hier wurde Geschichte gebaut, mit Mörtel und Melancholie.

Dann aber beginnt die eigentliche Arbeit: das Literarische, das Unverschämte, das Wahre. Um 17 Uhr stellen die Spiegeljournalisten Maik Baumgärtner und Andreas Wassermann die Neuerscheinung des Exilschriftstellers Robert Grötzsch vor: 'Wir suchen ein Land' Ein Buch, das 1936 auf der Flucht durch Europa hastig geschrieben wurde, weil die Zeit drängte, weil die Nazis bereits alles fraßen. Antifaschistische Asphaltliteratur, wie man damals anerkennend lobte.

Um 18.15 Uhr wird Eva Christina Zeller von Müttern erzählen. Nicht irgendwelchen, sondern jenen Müttern, die man suchen muss wie verborgene Länder. Eine Recherche über drei Generationen, drei Orte, drei Arten des Erinnerns. Das ist Familie nicht als Idyll, sondern als Gedankenlabyrinth.

Um 19.30 Uhr: Leon Engler. Dieser Bachmannpreisträger, dieser Meister des Grotesken überrascht und begeistert mit seinem Debüt 'Botanik des Wahnsinns'. Eine Familie, deformiert von psychischen Krankheiten und Abhängigkeiten. Der ganze Schrecken des Scheiterns wird hier zum Komischen überführt. Nicht weil es lustig ist, sondern nur weil der Witz hier die Wahrheit rettet.

Der Ablauf

16 Uhr  Architekturführung mit Dr. Peter Lemburg

17 Uhr  Robert Grötzsch - 'Wir suchen ein Land'

18 Uhr  Orgelmusik mit Kantor Christoph Ostendorf

18.15 Uhr  Eva Christina Zeller - 'Muttersuchen'

19.15 Uhr  Orgelmusik

19.30 Uhr  Leon Engler - 'Botanik des Wahnsinns'

20.30 Uhr  Orgelkonzert   

Die Orgel von Kantor Ostendorf erklingt zwischen den Lesungen. Ina von Holly und Pfarrerin Rebecca Marquardt moderieren durch den Abend. Der Büchertisch vom Bilderbuchladen bietet wie jedes Jahr die Neuerscheinungen zur Signatur. Denn Literatur ist eine Form des Heils, auch wenn sie von Hölle spricht.

Samstag, 9. Mai 2025, 16-21 Uhr

St.-Thomas-Kirche am Mariannenplatz

Veranstalter: Freundesverein St.-Thomas-Kirche & Evangelische Kirchengemeinde Kreuzberg

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